Bestimmung optischer
Gewebeeigenschaften in vivo: Messungen an Blasenwand
und Gehirngewebe
T. Beck, W. Beyer,
S. Wagner, H. Stepp, T. Pongratz, W. Stummer,
R. Waidelich
Laser-Forschungslabor,
Klinikum Großhadern,
Ludwig-Maximilians-Universität
München
Einführung:
Für die klinische Anwendung der Photodynamischen
Diagnostik und Therapie (PDD, PDT) spielt die
effektive Eindringtiefe des Lichts eine
entscheidende Rolle. Diese ist abhängig von der
Wellenlänge des verwendeten Lichts und begrenzt das
Gewebevolumen, welches untersucht bzw. behandelt
wird. Daher ist es für eine verlässliche Beurteilung
der angewendeten Methoden notwendig, die
tatsächliche Eindringtiefe des Lichts und damit auch
die optischen Eigenschaften des Gewebes zu kennen.
Da es sich bei Gewebe um ein streuendes Medium
handelt, kann man dessen optische Eigenschaften in
guter Näherung durch zwei Parameter beschreiben: den
Absorptionskoeffizienten μa und den
reduzierten Streukoeffizienten μs’.
Material und Methoden:
Zur Bestimmung der beiden gewebespezifischen
Parameter wurden zwei unabhängige Messungen
durchgeführt. Im ersten Schritt wurde die zu
untersuchende Gewebestelle mit Weißlicht beleuchtet
und das diffus zurückgestreute Licht spektral
gemessen. Das so erhaltene Rückstreuvermögen ergibt
das Verhältnis von μa zu μs’.
Im zweiten Schritt wurde Licht mit einer bestimmter
Wellenlänge (λ = 420-450nm, 532nm, und 635nm) über
eine Lichtleitfaser punktuell eingestrahlt mit einer
CCD-Kamera die Rückstreuung in Abhängigkeit vom
seitlichen Abstand zur Faser vermessen (Abb. 1).
Dies geschah entweder direkt bei der offenen
Operation (Gehirn) oder durch den Arbeitskanal eines
Endoskops (Blasenwand). Zu dem Verhältnis μa
/ μs’ wurden Monte-Carlo-Rechungen
durchgeführt, an welche die gemessenen
Rückstreuprofile angepaßt wurden. Der Fit der Kurve
erfolgte über eine Anpassung der x-Achse (Abstand)
und die y-Achse (Skalierungsfaktor) angepaßt. Das
Ergebnis dieser Anpassung ergab die effektive
Eindringtiefe als resultierenden Fitparameter,
wodurch über das ermittelte Verhältnis μa / μs’
der Absorptionskoeffizient und der reduzierte
Streukoeffizient abgeleitet werden konnten.
Ergebnisse und Diskussion:
Insgesamt wurden 12 Patienten in der Urologie und 11
Patienten in Neurochirurgie untersucht. Als
wichtiger Parameter wurde in Abb. 2 die effektiven
Eindringtiefen für die drei Farben rot, grün und
blau dargestellt.

Abb. 1:
Ortaufgelöste Rückstreuung in Abhängigkeit vom
seitlichen Abstand zur Faser. Messung für punktuelle
Beleuchtung mit λ=635nm an der Blasenwand. Das
Rückstreuvermögen betrug 65% und die resultierende
effektive Eindringtiefe war 8,1mm.

Abb. 2:
Effektive Eindringtiefe von rotem, grünem und blauem
Licht für die Blasenwand (A) und für Gehirngewebe
(B).
Beide
Gewebearten zeigen eine deutlich höhere
Eindringtiefe für rot, als für grün und blau. Im
Vergleich der beiden Gewebetypen untereinander zeigt
sich, dass für alle drei Wellenlängen das
Gehirngewebe eine um den Faktor 3 geringere
Eindringtiefe aufweist als die Blasenwand.
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